Ignoranz oder Dummheit

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Die vielleicht älteste Krise der Welt: ‚Die Jugend von heute‘

„Die Jugend von heute ist verdorben, sie ist böse, gottlos und faul.
Sie wird niemals so sein, wie die Jugend vorher,
und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten.“
[Keilschrift, Chaldäa, um 2000 vor Christus]

„ich habe überhaupt keine Hoffnung in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich…“
[Aristoteles, 384-322 vor Christus]

Ich schaue und lese gerne die aktuellen Nachrichten. Diese Woche waren sie voll mit Berichten zum und vom Weltwirtschaftsforum in Davos. Ganz oben auf der diesjährigen Agenda steht die eskalierende Erderwärmung: Wie können Firmen auf „die Risiken des Klimawandels reagieren?“

Gleich am ersten Tag höre ich Ausschnitte aus der Rede Donald Trump’s. Ich spüre Wut gegen diese unglaubliche Ignoranz, die dieser US-Präsident hier wieder einmal an den Tag legt.

Ich weiß, Wut ist kein guter Ratgeber, aber Wut kann Ansporn sein für Aktivität. Meine Art von Aktivität ist heute, dass ich diesen Blogartikel der Ignoranz oder Dummheit widme – der Ignoranz, die in jeder Generation verbreitet ist, in den älteren Generationen vielleicht ein bisschen mehr?

Sie sehen aus den am Anfang abgedruckten Zitaten: ich wollte eigentlich über die älteste Krise der Welt schreiben.

Was könnte ein passenderer Rahmen sein als die Diskussion um den Klimawandel, in der die Jugend die Alten vor sich hertreibt?

Verkehrte Welt?

Die Worte des weimarischen Staatsministers Johann Wolfgang von Goethe anno 1827 an den Direktor der Berliner Singakademie Friedrich Zelter passen wunderbar ins Bild:

„Alles aber, mein Theuerster, ist jetzt ultra, alles transcendiert unaufhaltsam, im Denken wie im Thun. Niemand kennt sich mehr. Niemand versteht den Stoff, den er bearbeitet … Reichtum und Schnelligkeit ist, was die Welt bewundert, und wonach jeder strebt.“ 

Goethe beschwert sich hier genauso über die Jugend wie alle Generationen zuvor. Mir aber kommt der Gedanke, dass sich in unserer Zeit die Dinge drehen könnten.

Diese Aussage könnte auch die junge Generation über das Verhalten der älteren Generationen treffen.

Woran liegt es, dass so viele von uns die Ängste und Befürchtungen der jungen Generationen ignorieren, die an ‚Fridays for Future‘ auf die Straße gehen? Ich weiß, es ist lange nicht die gesamte Jugend doch es sind doch ziemlich viele!

Vielleicht liegt es daran, dass die ältere Generation tendenziell der Meinung ist, dass das was sie erarbeitet haben das ‚non-plus-ultra‘ ist. Wir (ich zähle mich definitiv zur älteren Generation) sind nicht wirklich offen dafür wie die jüngeren Generationen ihr Leben gestalten. … und wenn doch, dann bitte nur unter der Bedingung, dass ‚das Alte‘ nicht in Frage gestellt wird!

Haben Sie schon einmal demonstriert? Ich war ein einziges Mal auf der Straße, während meiner Studienzeit, als der bayerische Staat die Rahmenbedingungen für Hochschulen in Bayern zu unserem Nachteil ändern wollten. Das hat damals nicht allzu viel gebracht – wir wurden ignoriert.

Das zeigt uns doch, dass wirkliche Veränderung und ein Aufweichen von Ignoranz nur durch permanentes Dranbleiben und durch die Mobilisierung von Massen oder Mehrheiten möglich ist.

Na ja, nicht ganz – wir lernen auch aus Erfahrungen. Allerdings müssen die so eindrücklich sein, dass sie unsere Ignoranzschwelle durchbrechen können.

 

Das derzeit aktuellste Beispiel:

Leider müssen viele von uns erst die Wetterextreme er-leben – als EXTREME, um überhaupt in Betracht zu ziehen, dass vielleicht etwas dran sein könnte an dem, wovor viele Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten warnen.

Wir alle sehen die Bilder in Australien mit Schrecken, mit Grauen, mit Ungläubigkeit.

Die australische Regierung muss erst sehen, dass zehn Millionen Hektar ihres Landes verwüstet, Milliarden von Tieren und mehr als 30 Menschen gestorben und tausende von Häusern verbrannt sind, bevor sie überhaupt auf die Idee kommen, es könnte VIELLEICHT doch etwas dran sein.

Das heißt aber noch lange nicht, dass sie tatsächlich etwas an ihren Entscheidungen ändern, denn sie leben in der Welt der eigenen Interessen und der Interessen ihrer Unterstützer.

Ignoranz oder Dummheit?

Da ist nirgendwo Krisenintelligenz zu erkennen, nur Krisendummheit
(wie kürzlich einer meiner Interviewpartner so treffend sagte).

Einer der größten Feinde der Krisenintelligenz ist Ignoranz.

Wikipedia sagt zum Stichwort Ignoranz:

„IgnoranzUnwissenheit (auch Unwissen oder Unkenntnis) oder Missachtung zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person etwas nicht kennt, nicht wissen will oder nicht beachtet (missachtet).“

„Das Verb ignorieren bezeichnet sowohl das bewusste wie das unbewusste nicht zur Kenntnis nehmen (wollen) eines Sachverhaltes, eines Vorgangs, einer gesellschaftlichen Entwicklung oder einer Person. …“

Man könnte jetzt sagen, die Menschen seien nicht in der Lage zu verstehen – diese Variante meine ich nicht. Das wäre eine viel zu einfache Ausrede.

Ignoranz gepaart mit ‚Interessen‘, die nur dem eigenen Nutzen dienen, zeugen für mich von größtmöglicher Dummheit!

Ich hätte nicht übel Lust, einen Award für die größtmögliche Dummheit auszuloben. Wer wäre in Ihren Augen ein Kandidat / eine Kandidatin für so einen Award? Schreiben Sie mir Ihre Ideen!

Mir fallen so einige öffentliche, aber auch viele nicht-öffentliche Personen, aber auch viele andere Menschen ein.

Ja, ok, wir alle – ich definitiv auch – handeln nicht selten ignorant im Sinne unseres eigenen Interesses.

Die Fragen, die ich mir dabei stelle sind:

  • Schade ich jemandem damit oder nicht?
  • Woran orientiere ich mich?
  • Orientiere ich mich am Gemeinwohl  oder an ethischen Werten?
  • Oder orientiere ich mich daran, möglichst viel Geld machen zu wollen
  • oder weil ich wiedergewählt werden will?
  • Oder weil ich gut dastehen will?
  • Oder weil ich meine Lobby befriedigen will? Oder weil ich unter allen Umständen recht haben will?
  • Oder weil ich nicht zugeben kann, etwas falsch gemacht zu haben?
  • Oder einfach nur, ‚weil alle es so machen‘ und ich lieber mit dem Strom schwimme?
  • Wissen Sie, was der „wohl teuerste Satz in Unternehmen“ ist? „Das haben wir immer schon so gemacht“

Ignoranz hat sicherlich ihre guten Seiten, aber ich bin heute nicht in der Stimmung, diese zu beleuchten. Vielleicht in einem anderen Blogartikel 😊

Die gute Nachricht

Die gute Nachricht ist, dass die EXTREME und die starke öffentliche Meinung langsam aber sicher Früchte tragen. OK, jetzt bin ich doch im positiven Bereich 😊 Einige große Firmen merken langsam, dass ein ‚weiter so‘, also ihre Ignoranz gegenüber den o.g. Entwicklungen sie viel Geld Kosten könnte, also ihre Interessen nicht mehr zu wahren sind.

Fast schon ein Wunder! BlackRock mit seinen Billionen von Euro Anteilen an vielen Firmen wird zum Getriebenen und wandelt sich ‚vom Saulus zum Paulus‘.

Wenn wir die Massen mobilisieren und die Erde demonstrativ mithilft durch Wetterextreme kann sogar so ein zutiefst Geld-gesteuerter Konzern wie BlackRock merken, dass ein ‚weiter so‘ nicht funktioniert. Die wichtigsten Interessen – nämlich Geld zu verwalten und zu vermehren – VIEL GELD – sind bedroht durch die genannten Faktoren. GUT SO!!

Auch wenn das, was da gerade in Gang kommt noch keine wirkliche Veränderung, sondern vielleicht ein Greenwashing sein mag, ist es doch zumindest ein Schritt. … und der Hebel solch großer Unternehmen ist sehr groß.

Firmen und Unternehmen geraten mehr und mehr unter Druck, genauso wie die Politik. Es braucht weiterhin den Druck der Straße, die Mobilisierung der Massen. Für die Wetter-Extreme als Druckmittel ist ja leider schon gesorgt.

Was mache ich damit?

Beim Schreiben dieses Artikels habe ich eine ganze Reihe von Gemütszuständen und Gedanken in mir gespürt. Da war Wut, da war Neugier, da war Genugtuung, da war Nachdenklichkeit, da war Hoffnung, da war Freude, da war Angst.

Es fällt immer leichter, sie über die Ignoranz anderer aufzuregen, als die eigene Ignoranz anzuschauen. Was mir beim Schreiben bewusst wurde: in mir steckt auch ein großes Stück Ignoranz! Die Ignoranz dessen, dass mein Anteil an der CO2 Erzeugung alles andere als NULL ist.

Ja, ich achte schon auf viele Dinge, habe eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, die ca. dreimal so viel Storm erzeugt wie ich brauche, kaufe vor allem regional erzeugte Produkte, esse wenig Fleisch usw.

Das Ziel der völligen CO2-Neutralität zum Beispiel habe ich mir bisher nicht auf die Fahnen geschrieben – das habe ich ignoriert.

Aus Bequemlichkeit? Aus Ignoranz? Aus Faulheit? Aus Dummheit? Aus Unwissenheit?

Egal! Hauptsache, ich hab’s verstanden und komme jetzt in die Gänge !!!

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Angelika Mändle
Ihre Expertin für Krisenintelligenz

 


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