Schlechtes Gewissen loswerden – 5 Tipps von der Expertin

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Ich habe ein schlechtes Gewissen und ich will es loswerden! Ich will jede Woche einen Blogbeitrag veröffentlichen und jetzt … habe ich versagt. Mein letzter Blogartikel liegt fünf Wochen zurück.

Wer kennt es nicht? Das liebe vertraute schlechte Gewissen! Jetzt gerade wieder – die Feiertage sind vorbei und wieder kommt die Bilanz, die für Viele unweigerlich zum schlechten Gewissen führt:

Habe ich mich ‚zu viel‘ treiben lassen? … oder ‚zu wenig?
Habe ich mir genug Zeit für die Kinder genommen?
Habe ich zu viel gegessen?
Habe ich mich zu wenig bewegt?
Habe ich alles gemacht, was ich tun wollte/sollte, was ich mir für die Feiertage vorgenommen habe?
Habe ich die Zeit mit Familie und Freunde so richtig ausgekostet?

Ich kenne niemanden, der nach dieser Bilanz sagt: ALLES RICHTIG GEMACHT!

Unser schlechtes Gewissen verfolgt uns auf Schritt und Tritt, egal was wir tun oder nicht tun – es ist irgendwie immer da – oder?

Der oft gewählte Ausweg sind die ‚guten Vorsätze‘! Ab jetzt mache ich alles anders! Ab jetzt wird alles besser!
… und? Klappt es bei Ihnen? Hat das in den letzten Jahren geklappt? Nein? Dann lesen Sie weiter, vielleicht finden Sie ja hier ein paar Ideen, wie Sie Ihr schlechtes Gewissen loswerden können 🙂

Wie mache ich mir ein schlechtes Gewissen?

Das geht ganz einfach!

Meine Erwartungen, Ansprüche und Ziele sind so gesteckt, dass ich sie nicht erreichen kann. Sie bemerken meine Worte? Ich schreibe NICHT, dass sie ‚zu hoch‘ gesteckt sind! Sie entsprechen einfach nicht dem, was ich erreichen kann.

Anstatt mich über das zu freuen, was ich gerade mache oder heute schon geschafft habe, läuft im Hintergrund eine Abfrage. Was muss ich noch tun? Was habe ich noch nicht gemacht? Was habe ich nicht perfekt genug gemacht? Warum brauche ich so lange? usw.

Diese Abfrage ist bei Vielen schon so automatisiert, dass wir sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Das unangenehme Gefühl des schlechten Gewissens nehmen wir aber schon wahr.

Ein Beispiel von mir:

Ich bin das, was manche eine ‚Scanner-Persönlichkeit‘ nennen. Ich interessiere mich für unendlich viele verschiedene Dinge und Themen und ich habe riesengroße Schwierigkeiten, mich tagelang in ein einziges Thema zu vertiefen. Details interessieren mich nur am Rande und bitte verlangt nicht von mir, dass ich detaillierte Recherche betreibe oder immer das gleiche machen soll.
Ich stürze mich gerne auf ‚neue‘ Themen, ‚neue‘ Situationen und ich liebe es zu improvisieren. Wenn die Themen oder Probleme einigermaßen gelöst sind verliere ich das Interesse und wende mich dem nächsten zu.
Ich bin ständig dabei, Routine-Situationen aufzulockern und zu ändern, denn Routine langweilt mich.

Auf der anderen Seite sagt irgendetwas in mir, dass ich nicht so sprunghaft sein soll, dass ich länger an einer Sache dranbleiben soll, dass ich mich auf eine Sache fokussieren soll, dass ich Ordnung halten soll, dass ich eine Sache nach der anderen machen soll.

Ich versuche es immer wieder und merke immer wieder, dass ich es nicht schaffe. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen und hadere mit mir, weil ich es nicht schaffe, diesem Anspruch von Kontinuität zu entsprechen.

Ein anderes Beispiel, das ich oft von arbeitenden Eltern höre:

Sie haben den Anspruch, so viel Zeit wie möglich mit ihren Kindern zu verbringen, viele von ihnen haben per se ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Kinder in eine Betreuung geben.

Nun, habe ich keine Kinder, dafür merke ich es mit meinem Hund und meinem Kater. Die beiden sind sehr auf mich fokussiert, also habe ich wieder eine Steilvorlage für ein schlechtes Gewissen, wenn ich verreise oder wenig Zeit habe.

Da ich mich aber dafür entschieden habe, keine Energie mehr an ein schlechtes Gewissen zu vergeuden muss ein andere Strategie her.
Der Deal ist: wenn ich mit dem Hund draußen bin, dann gibt es nur ihn und mich – keine Telefonate nebenher, kein Handy!
Während dieser Zeit hat mein Hund meine volle Aufmerksamkeit! Das klappt wunderbar!
Mit dem Kater ist es ebenso. Er bekommt mehrmals am Tag für 5 oder 10 Minuten meiner volle Aufmerksamkeit, damit ist es zufrieden.

… und noch ein Beispiel:

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne reisen. Das habe ich auch lange Zeit voll ausgekostet. Ich bin so oft es ging wochenlang gereist. Nach dem Studium mit Beginn meiner Karriere gab mir der jeweilige Job die Möglichkeit des Reisens.
Irgendwann merkte ich, dass ich schon ein schlechtes Gewissen bekam, wenn ich auch nur daran dachte, zum Spaß zu verreisen, etwas nur für mich zu tun.
Was war anders? Ich hatte mich sesshaft gemacht in meiner umgebauten Scheune und ich hatte zwei Katzen erlaubt, bei mir zu wohnen. Die Katzen mussten während meiner Abwesenheit versorgt werden, das übernahm meine Mutter, die in der Nähe wohnte.
Sie fand es immer ganz schrecklich, wenn ich verreiste – nicht, weil sie die Katzen versorgen musste, sondern weil ich nicht in der Nähe war. Also suggerierte sie mir, dass meine Katzen so sehr leiden würden, wenn ich nicht da wäre.
Ich hab’s erst gar nicht gemerkt, das war ein schleichender Prozess. Bis ich an einem Seminar für lösungsfokussierte Gesprächsführung teilnahm. Wir machten eine Übung – ich sagte, dass ich einfach nur mein schlechtes Gewissen loswerden wollte.
Was herauskam war wirklich erstaunlich: wenn ich mein schlechtes Gewissen loswerde, bekomme ich ein schlechtes Gewissen, weil ich kein schlechtes Gewissen mehr habe.

Da war etwas in meinem Gehirn gründlich falsch verkabelt, stellte ich fest.

Von da an beschloss ich, dass ein schlechtes Gewissen für mich immer nur ein Signal sein darf, um genauer hinzuschauen und etwas ‚neu zu verkabeln‘ 😊

Was ist denn richtig klasse am schlechten Gewissen?

Seither ist das schlechte Gewissen für mich ein genialer Hinweis darauf, dass ich an der Stelle etwas ändern sollte. Es ist für mich zu einer Art Messstation geworden, die mir zeigt, wo etwas nicht passt.

Ein schlechtes Gewissen ist völlig unnötig! Es ist unproduktiv! Es hemmt mich, es behindert mich, es hindert mich daran, das zu tun was ich für richtig halte.

Eine andere Quelle des schlechten Gewissens sind utopische Erwartungen an uns selbst. Meistens vergleichen wir uns dann noch mit Anderen ‚verurteilen‘ uns dafür, dass wir UNSEREN Erwartungen nicht entsprechen.

Das ist ein super genialer Nährboden für ein schlechtes Gewissen!

Ich hab ein schlechtes Gewissen weil ich nicht genug dafür tue, meine Erwartungen zu erfüllen
ich hab ein schlechtes Gewissen weil ich meine Ziele nicht erreicht habe oder eins meiner Ziele nicht erreicht habe

Ein schlechtes Gewissen kann etwas passives sein, etwas das uns belastet, worüber wir uns Gedanken machen.
Die Energie für diese Gedanken könnte man auch andersweitig nutzen!
Zum Beispiel,

  • um die eigenen Erwartungen gerade zu rücken
  • um sich Klarheit darüber zu verschaffen, was wirklich wichtig für einen selbst ist
  • um Entscheidungen zu treffen und diese umzusetzen

Die echte wirkliche Falle des schlechten Gewissens ist:

  •  Wir versuchen es zu vermeiden und gehen faule Kompromisse ein
  •  Wir geben ‚die Schuld‘ an unserem ‚gefühlten Versagen‘ Anderen, z.B. der Arbeit oder der Zeit oder dem Geld oder dem Chef oder der Firma
  •  Wir versuchen, uns durchzumogeln und verlieren wertvolle Energie, die wir ansonsten für unsere Zielerreichung nutzen könnten
  •  Wir arrangieren uns damit und gewöhnen uns daran, sprich wir laufen ständig damit herum, anstatt uns des Lebens zu freuen

Wir verurteilen uns selbst – was ein Schwachsinn! Wofür soll das denn gut sein?

Wie kann ich mein schlechtes Gewissen loswerden?

1- Entscheiden Sie sich, ob Sie wirklich weiter mit einem schlechten Gewissen herumlaufen möchten oder ob Sie Ihr schlechtes Gewissen loswerden möchten.
Wenn Sie es loswerden wollen, machen Sie den nächsten Schritt:
2- Entlarven Sie Ihr schlechtes Gewissen!
Immer wenn Sie merken, Sie haben ein schlechtes Gewissen ist das schon mal super! Denn es kommt manchmal auf subtilen Wegen zu uns. Vielleicht haben Sie sich auch schon so daran gewöhnt, dass Sie es nicht mehr bewusst wahrnehmen?
Finden Sie Ihr schlechtes Gewissen!
3- Schreiben Sie alles auf, was dazu beiträgt, dass Sie ein schlechtes Gewissen haben.
Seien Sie ruhig ehrlich zu sich selbst – Sie müssen Ihren Aufschrieb ja niemandem zeigen, Sie können ihn z.B. verbrennen, wenn Sie ihn nicht mehr brauchen.
Was haben Sie herausgefunden?
4- Nun stellen Sie sich die Frage, ob Sie etwas ändern können.
Können Sie? Super, dann tun Sie’s!

5- Sie können nichts ändern? Wofür dann das schlechte Gewissen?
Machen Sie sich klar, dass Sie nicht alles haben können!
Sie können nicht zu Hause für Ihre Kinder da sein und gleichzeitig arbeiten gehen. Zumindest wüsste ich nicht, dass es schon möglich ist, an zwei Orten gleichzeitig zu sein 🙂
Sie können nur bedingt Eigenschaften annehmen, die Sie bei Anderen bewundern.

Das schlechte Gewissen kann uns helfen, Dinge herauszufinden, die für uns nicht stimmig sind.

Es kann uns dann dazu verhelfen, die Dinge zu ändern oder das schlechte Gewissen ab zu legen, weil wir sie nicht ändern können oder wollen oder dürfen oder müssen oder wie auch immer…

Falls Sie mehr über sich selbst erfahren möchten, empfehle ich Ihnen auch meinen Test:

Welcher Krisentyp sind Sie?

Ich freue mich sehr auf und über Ihre Rückmeldungen.

Einen wundervollen Tag wünscht
Angelika Mändle
Ihre Expertin für Krisenintelligenz

 


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