Stress abbauen – das JA zum NEIN

Stress abbauen - JA! zum NEIN!

Eine Studie der DAK-Gesundheit besagt, dass 64 % der deutschen im neuen Jahr Stress vermeiden oder abbauen wollen. Genauso wie viel wollen mehr Zeit für die Familie und die Freunde haben und genauso viele wollen auch Umwelt beziehungsweise Klima freundlicher sich verhalten .

Stress abbauen ist auch eine Veränderung

Laut einer anderen Statistik und zwar dem Trendkompass 2020 von Statista sind wir überall Veränderungen ausgesetzt. Da gibt es technologische Veränderungen, wirtschaftliche Veränderungen, soziale Veränderungen, kulturelle Veränderungen.

Überall steht nur „Veränderung – Veränderung – Veränderung“. Eine Veränderung heißt, dass wir als Menschen gefordert sind. Gefordert dahingehend, dass wir uns die Veränderung anschauen und vielleicht mit der Veränderung mitgehen.

Vielleicht entsteht Stress durch die Veränderungen, ich denke, er entsteht eher dadurch, dass wir versuchen all den Anforderungen gerecht zu werden, die durch die vielen Veränderungen entstehen.

Wir haben hohe Anforderungen an uns selbst und wollen diese unbedingt verwirklichen.

Das sieht man auch oft in den guten Vorsätzen. Hier werden große Ziele gesetzt, die „bitteschön auch sofort erreicht werden sollen!“

Ich muss Sie enttäuschen 😉 Sie sind ein Mensch und Menschen brauchen Zeit. Ich habe noch nirgendwo einen Schalter zum Umschalten gefunden 😊

Stress abbauen – Erwartungen und Ziele

Menschen machen sich selbst Stress, weil sie große Ansprüche und Erwartungen an sich haben. Das ist etwas, dem ich in meiner täglichen Arbeit häufig begegne! Ich sehe oft, dass diese großen Erwartungen und Ansprüche nicht zum Ziel führen, zumindest nicht so wie die Menschen sich das vorstellen!

Was wirklich zum Ziel führt:

  • Alle Ziele auf den Prüfstand stellen und bewusst wählen, welche jetzt gerade im Fokus stehen sollen
  • JA zum NEIN sagen
  • Das Ziel im Auge behalten, dabei aber den Fokus auf den nächsten Schritt
  • Die eigenen Erwartungen anpassen
  • Jeden einzelnen Schritt feiern
  • Unterstützung von Gleichgesinnten und/oder Experten holen

Frustration ist eine der häufigsten Reaktionen wenn etwas nicht so funktioniert wie man sich das vorgestellt hat.

Dabei schaffen wir jeden Tag etwas! Wir sehen es nur nicht! Wäre es nicht viel angenehmer, sich darüber zu freuen, wie weit man schon gekommen ist?

Dann kann man sich auf den nächsten Schritt fokussieren und wieder feiern, wenn er erreicht ist.  Das ist doch viel angenehmer, als ständig nur gefrustet zu sein, weil das große Ziel (noch) nicht erreicht ist!

Prüfen Sie Ihre Erwartungen an sich selbst noch einmal ganz genau! Sind das meine Ziele, meine Erwartungen? Sind es die  Erwartungen die andere an mich haben?

Stress abbauen – Stressfaktoren können sein

  • fremde Erwartungen
  • zu hohe Erwartungen
  • zu schnelle Erwartungen die wir so schnell nicht erfüllen können
  • Fokus auf ’noch nicht geschafft‘
  • ein großes hohes Ziel ohne Zwischenziele und Zwischenschritte
  • zu viele Ziele auf einmal

Angenommen, ich möchte einen Marathon laufen oder ich will einen großen Karriere Schritt machen. Angenommen, ich schaue bei jedem Schritt, den ich mache immer nur darauf was ich noch nicht erreicht habe, was ich noch tun muss, auf diese gefühlt ewig lange Strecke, die ich noch zurücklegen muss. 

Das lässt mich doch automatisch mit mir selber hadern! Ich verurteile mich für alles, was ich versäumt habe, ich bewerte mich im negativen Sinne! Das ist der heutige Trend und das ist das, was uns große Schwierigkeiten bereitet.

Wann haben Sie sich zum letzten Mal darüber gefreut einen winzigen Schritt in Richtung ihres Zieles getan zu haben? 

Wann haben Sie sich zum letzten Mal darüber gefreut, was Sie jetzt gerade tun? 

Das ist unser großes Defizit!

Nicht das Ziel, das ich noch nicht erreicht habe ist das Defizit!
Sondern nicht zu sehen was ich schon erreicht habe ist das Defizit!
Das ist eine der Hauptursachen für Stress – dieses super-defizitäre Denken!

Wenn ich glaube, ich bin nicht gut genug, wenn ich ständig nur die Karotte am Horizont sehe entgehen mir

die leckeren Früchte, die genau vor meiner Nase liegen und nur darauf warten, geerntet zu werden.

 

 

 

Eigenverantwortung – JA! zum NEIN!

Ja, es ist super wichtig, von den Arbeitgebern und der Öffentlichkeit zu fordern, dass der Stress abgebaut wird.

ABER es geht nur mit Eigenverantwortung! Es steht in der Macht eines jeden Menschen, den eigenen Stress abzubauen!

Jeden Tag können Sie tausende Male entscheiden, was gut für Sie ist, was Sie wirklich brauchen und was Sie weiterbringt, wozu Sie JA! sagen möchten! Jeden Tag können Sie tausende Male entscheiden, etwas NICHT zu tun! Das tun Sie sowieso!

Denn mit jedem JA zu einer Variante sagen Sie NEIN zu vielen anderen Varianten. Allerdings ist uns das oft nicht klar!

Die allererste Entscheidung, die Sie treffen müssen ist ein klares JA! zum  Stress abbauen und Stress vermeiden! … oder vielleicht doch ein NEIN! zum Stress? 😉🙃😉

Wenn Sie NEIN! zum Stress sagen sagen Sie automatisch auch NEIN zu Ihrem bisherigen automatisierten, getriebenen Handeln!

Das ist eine große Veränderung, eine große Entscheidung!

Wollen Sie das wirklich? Wollen Sie ganz bewusst NEIN sagen zum ‚JA-SAGEN‘? 🙂 Ja, ich weiß, das klingt paradox – doch so ist es eben!

Wir funktionieren, wir wollen Anderen helfen, wir wollen anerkannt werden, wir sagen ständig JA zur Erfüllung der Wünsche Anderer. … und dann kommt das schlechte Gewissen, weil wir wieder nicht das geschafft haben, was wir schaffen wollten. Wir machen Überstunden, versuchen alles unter einen Hut zu bekommen. Der Stress wird größer und größer.

Schauen Sie sich jeden Tag an: Wow, wo habe ich NEIN! gesagt? 

Was hatte ich heute für eine tolle Krise, denn mein NEIN hat in mir eine Krise ausgelöst, die mich beim Stressabbau weiterbringt! Yeah! Ich habe jetzt eine Krise statt Stress – aber die geht vorbei, denn ich gewöhne mich ans NEIN-Sagen! 

 

Die Anderen? Die sind erst einmal völlig perplex, weil sie es eben auch nicht gewöhnt sind!

Eine Geschichte zum NEIN!

Ich habe während meiner Studienzeit in einem ‚etwas anderen‘ Wohnheim gewohnt. Das Wohnheim ist eher zu vergleichen mit großen Wohngemeinschaften. Fast jeder kannte jeden – es wohnten ca 120 Studenten dort – in 5 ‚Wohngemeinschaften‘. Das Wohnheim ist ’selbst-verwaltet‘ von den jeweiligen Bewohnern.

Jeden Tag klopften Leute an meine Tür, um mich etwas zu fragen oder etwas bei mir auszuleihen. Eines Tages besuchte mich eine Freundin von außerhalb. Nach dem dritten Klopfen an meine Tür meinte sie: ‚Du bist ja ein Kiosk, Du hast ja nie Deine Ruhe! Ständig kommt jemand und will etwas von Dir!‘

Ich habe das natürlich vehement bestritten, denn ich fühlte mich gut dabei, alle möglichen Wünsche erfüllen zu können. Doch die Bemerkung blieb hängen. Sie arbeitete in mir.

Einige Jahre später, als ich meine erste Führungsrolle übernahm war es das gleiche: meine Mitarbeiter kamen zu mir mit den kleinsten Kleinigkeiten. Wollten meinen Rat oder eine Lösung. Das führte einerseits dazu, dass ich viele Überstunden machte, um meine Arbeit hinzubekommen UND es führte dazu, dass ich nicht als Vorgesetzte wahrgenommen wurde! Ich war wohl eher eine Art Wissensquelle. Trotzdem waren die Mitarbeiter unzufrieden mit mir als Führungskraft, denn ich hatte es versäumt ‚NEIN‘ zu sagen. Ich hatte es versäumt, meinen Mitarbeitern ihre Eigenverantwortung zu signalisieren.

Als mir das klar wurde änderte ich mein Verhalten komplett. Ich hatte keine Antworten mehr, nur Gegenfragen! Ich entwickelte ein feines Gespür dafür, wann es gut war ‚NEIN!‘ zu sagen – und das war sehr oft der Fall. Ich war nicht mehr ständig ’nebenher‘ ansprechbar, sondern verwies auf meinen Kalender, der nicht alles zuließ.

Stress abbauen - JA! zum NEIN!?Anfangs war es eine große Umstellung für meine Mitarbeiter, doch es dauerte nicht allzu lange und sie begannen meine Klarheit zu schätzen. Sie nahmen ihre eigene Verantwortung wahr, wurden selbstständiger und erfolgreicher. Die, die damit nicht umgehen konnten suchten sich einen anderen Job.

DAS IST GUT SO!!

Sprint oder Marathon?

Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Marathon laufen. Sie starten mit dem Training und merken bald, dass Ihr Körper Ihnen Grenzen aufzeigt. Das Training ist ungewohnt, Sie müssen Pausen einlegen und das  Trainingspensum nach und nach steigern. 

Wenn Sie den Marathon wirklich laufen wollen müssen Sie dranbleiben – Wochen, Monate. Idealerweise erarbeiten Sie mit jemandem, der sich darin auskennt einen Trainingsplan, vielleicht auch eine Art Ernährungsplan und Sie halten sich daran. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Ziel ‚Marathon-Lauf‘ erreichen ist sehr viel höher, denn  Sie haben Ihr ‚JA!‘ ein Stück mehr manifestiert mit dieser Planung, ebenso wie das ‚NEIN!‘ zu allem, was Sie vom Training abhält.

Sie gehen Schritt für Schritt vor.

Trainingspläne für Hochleistungssportler sind ausgewogen. Da ist Hochleistung und Entspannung, da ist Fokus aufs Ziel und da ist der Genuss des Tuns. 

Genauso können wir es mit unserem Leben machen, was es dazu braucht sind bewusste Entscheidungen.

Jeder von uns hat genau 24 Stunden am Tag

Wie möchten Sie Ihre 24 Stunden täglich erleben? Im Strudel des Funktionierens? Mit einem ‚immer-weiter-so‘?

Wenn nicht, dann treffen sie bewusste Entscheidungen.  Sagen Sie JA! oder sagen Sie NEIN! … ein Vielleicht hilft Ihnen nicht weiter. 

Wenn das ‚NEIN!‘ schwer fällt.

NEIN! zu sagen scheint für viele von uns eine schwierige Aufgabe zu sein. Vielleicht möchten Sie folgenden Ansatz für sich ausprobieren:

Eine Kundin, die es liebt, kreativ zu sein hat für sich festgestellt, dass ihre Kreativität mehr und mehr verblasst. Im Gespräch stellten wir fest, dass ihre Zweifel an sich selbst , sie mehr und mehr daran hindern, ihre Kreativität im vollen Umfang zu nutzen.

Die Zweifel waren zu Selbstläufern geworden. Immer wenn sie ihre Kreativität ausleben wollte kamen Sätze wie ’na das geht doch nicht!‘ oder ‚das schaffst Du nicht‘ oder ‚dazu fehlt Dir das nötige Geld!‘ oder … 

In der gemeinsamen Arbeit haben wir nicht versucht, die Zweifel zu tilgen, ‚NEIN!‘ zu ihnen zu sagen. Im Gegenteil, wir haben sie eingeladen, sich doch mal alles in Ruhe anzuschauen.

‚Die Zweifel‘ bekamen ihren Platz auf der einen Seite, die ‚kreative Seite, die die wachsen will und die Visionen entfalten will‘,  bekam ihren Platz auf der andere Seite. So werden ‚die Zweifel‘ nicht bekämpft, im Gegenteil, sie dürfen da sein, dürfen zuschauen wie ‚die Kreativität‘ sich in ihrem vollen Umfang entwickelt.

‚Die Zweifel‘ haben nun nicht mehr die Kreativität gedeckelt. Sie haben zugeschaut wie die Kreativität sich entfaltete. Als die Kreativität sich voll entfaltet hatte kamen ‚die Zweifel‘ zu Wort. Sie können dann dazu genutzt werden, die Kreativität noch mehr anzustacheln 🙂

Das können Sie auch mit Ihren ‚JA!‘ und ‚NEIN!‘ machen, wenn es Ihnen schwer fällt ‚NEIN!‘ zu sagen. Geben Sie beiden Seiten ihren Platz, lassen Sie beide Seiten sich entfalten und entscheiden Sie sich dann. 

Sie können das Ganze auch noch erweitern, indem Sie die ‚Walt-Disney-Methode‘ anwenden. Mehr dazu finden Sie im Internet, z.B, hier oder hier.

 

Stress abzubauen kann eine große Veränderung sein, vor allem dann, wenn Sie jahrelang ‚im Stress‘ waren!

Sehen Sie es nicht als Pflicht, sondern als eine spannende erfüllende Aufgabe, die Ihr Leben bereichert, die Sie erfolgreicher, zufriedener und glücklicher macht. 

Gutes Gelingen wünscht

Ihre Angelika Mändle
Expertin für Krisenintelligenz


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